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Donnerstag, 18. Dezember 2014

Kommunikationsberater Michael Oehme erklärt, was der Mindestlohn in Deutschland verändert



Vom Mindestlohn versprechen sich die Menschen viel. Laut Bundesagentur für Arbeit werden Steuerzahler ab dem nächsten Jahr entlastet.

Entgegen aller Befürchtungen bezüglich des ab Januar geltenden Mindestlohns geht die Bundesagentur für Arbeit (BA) nicht davon aus, dass der Arbeitsmarkt dadurch geschwächt wird. Die Aussichten scheinen sogar recht positiv zu sein: Demnach könnte es sogar sein, dass Stellen schneller besetzt werden und 2015 ein erfolgreiches Jahr für den deutschen Arbeitsmarkt wird. Laut BA wird die Beschäftigungsquote trotz der Konjunkturdelle im kommenden Jahr steigen. „Parallel dazu wird im Idealfall auch die Arbeitslosigkeit sinken“, erklärt PR-Experte Michael Oehme. „Stark negative Auswirkungen wurden vielerseits befürchtet, werden sich aber offensichtlich nicht bestätigen.“
Laut BA könnte der Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde auch dazu führen, dass einige Stellen künftig sogar schneller besetzt werden, wenn sie durch bessere Entlohnung attraktiver werden. „Einige Unternehmen werden es sowohl brachen- als auch regionalbedingt schwerer haben, höhere Preise durchzusetzen und so die Mehrkosten durch den Mindestlohn zu decken“, so Oehme weiter.
Bereits die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) hatte in ihrem Jahresbericht zur globalen Einkommensentwicklung den künftigen Mindestlohn in Deutschland begrüßt. Laut ILO gehöre die  Bundesrepublik zu den Industrieländern, in denen die Löhne hinter der Arbeitsproduktivität zurückgeblieben seien. Folgen seien eine langsame Entwicklung der Nachfrage und ein steigendes Deflationsrisiko.
Des Weiteren wird mit dem Mindestlohn die Zahl der Aufstocker in der Grundsicherung sinken. BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt rechnet mit schätzungsweise 60.000 weniger Aufstockern in der Grundsicherung. Diese würden als Singles zukünftig so viel verdienen, dass sie nicht mehr zusätzlich auf Hartz IV angewiesen seien. Das sei auch gut für den Steuerzahler, weil die Ausgaben für das Arbeitslosengeld II um 700 bis 900 Millionen Euro im Jahr sinken würden. „Die Befürchtungen von Ökonomen, die Einführung des Mindestlohns würde tausende Menschen den Job kosten, sind größtenteils unberechtigt“, bestätigt auch Positionierungsberater Michael Oehme. Ausgenommen vom Mindestlohn sind Jugendliche unter 18 Jahren, Praktikanten, Langzeitarbeitslose und Ehrenamtliche.

Kommentare:

  1. Die deutsche Wirtschaft hatte nun viele Jahre Zeit, die Löhne auf ein vertretbares Niveau zu heben. Die Gewerkschaften haben alle Augen zugedrückt, dass es die Industrie auch wirklich nicht stört. Dass nun der Gesetzgeber einschreitet, finde ich richtig. Es wurde Zeit. Viele Menschen können von dem nicht leben, was sie verdienen - und da reden wir ja nun wirklich nicht von hohen Einkommen, sondern von der untersten Grenze.

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  2. Ich bin nicht so sicher, ob dieses Unterfangen erfolgreich ausgeht. Unternehmen, die in Deutschland mit Billiglohn gearbeitet haben, werden überlegen, ob sie nicht doch ins Ausland abwandern. Wir müssen aufpassen, dass Menschen, die nichts gelernt haben, nicht irgendwann völlig zu knapp kommen und dann dem Staat zur Last fallen.

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    1. Hallo! Ich kann deinen Ansatz verstehen. Aber ist es nicht ohnehin schon pervers, wenn Menschen für einen Euro arbeiten müssen oder eine Friseuse nicht ohne Wohngeld und sämtliche Sozialleistungen klarkommt, obwohl sie den ganzen Tag arbeitet. Ich finde, das geht nicht. Wir brauchen ein Lohnniveau, auf dem die Menschen leben können.

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  3. Ich glaube, gerade für kleine Läden wird der Mindestlohn problematisch. Die sind ja ohnehin immer belasteter mit Personalkosten. und wenn dann mal einer länger krank ist, wird es schwierig, wie man das abfangen will.

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  4. Angela Steinbrück24. Dezember 2014 um 08:08

    an anderer Stelle habe ich diesen Link gefunden, der gut erklärt worum es geht und welche Rechte man hat: http://www.mindestlohn.de

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  5. Angela Steinbrück28. Dezember 2014 um 07:47

    Die Süddeutsche Zeitung bietet im online Bereich unter Süddeutsche und Mindestlohn viele interessante Ansätze. Unbedingt lesen, wer sich damit beschäftigt. Sie führt mit folgenden Sätzen ein und die bringen es meiner Ansicht nach auf den Punkt: Der Streit über den Mindestlohn dreht sich vor allem um eine Frage: Verschafft eine Lohnuntergrenze Niedrigverdienern eine faire Bezahlung oder führt sie nur zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit? Alle Nachrichten und Hintergründe zum Mindestlohn in Deutschland.

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