Für den
Unternehmer Meier kam der Shitstorm aus dem Internet völlig unerwartet. Er habe
Konkurrenten durch zu günstige Preise und minderwertige Ware ausgebootet.
Kunden meldeten sich auf anonymen Foren und klagten über die schlechte
Leistung. Und überhaupt: Kein Wunder, dass Meier seine Kinder mit dem
„Dienst-Mercedes“ zur Schule brächte. Vermutlich noch als Geschäftsreise
„getarnt“. Eine ehemalige Mitarbeiterin berichtete, natürlich anonym, ebenfalls
von merkwürdigen Vorkommnissen in der Firma. Auch seien schon „öffentliche
Stellen“ an dem „Fall“. Schnell wurde deutlich: Eine Diffamierungskampagne war
gestartet. Aber warum?
„Die
Möglichkeiten des Internet sind sicher nicht mehr weg zu denken. Aber das
Internet bietet auch deutliche Gefahren, wenn es gezielt gegen Unternehmen oder
Personen genutzt wird“, sagt Michael Oehme, Consultant bei der CapitalPR AG in
Sankt Gallen, Schweiz. Im Fall des Unternehmers Meier, so zeigte die spätere
Rekonstruktion, war es ein Konkurrent, dessen leere Auftragsbücher zu der Vorgehensweise
führten. „Es gibt nicht nur Dienstleister, die derartige Maßnahmen initiieren,
es gibt zudem eine Vielzahl an Plattformen im Internet, die man für derartige
Maßnahmen nutzen kann. Die Grenzen zur Legalität verschwimmen dabei“, erklärt
Oehme.
Beispiel, die
Nutzung von sogenannten Nachrichtendiensten: Diese prüfen in der Regel nicht
den Inhalt der Texte. Einmal verschickt, werden derartige Texte automatisiert
von einer Vielzahl von Nutzern übernommen, die ihre eigenen Internetseiten
durch regelmäßigen Trafik attraktiver machen wollen. Tipp des PR-Experten
Oehme: „Zuerst die Quelle der Informationen ausfindig machen und den Text dort
löschen lassen. Dann die Nutzer angehen, die den Text auf ihren Seiten haben.“
Die Nachrichtendienste seien zur Löschung meist ohne große Komplikationen
bereit, wenn die Inhalte erkennbar diffamierender Natur seien.
Beispiel,
Einträge auf Foren, die zwar anonym vorgenommen werden, deren Forenbetreiber
aber durch Impressum „greifbar“ ist. „Auch hier ist es die beste Vorgehensweise,
die Forenbetreiber mit einem Verweis auf ein jüngstes BGH-Urteil direkt für den
Inhalt der anonymen Aussagen verantwortlich zu machen, in der Regel werden
derartige Einträge dann umgehend gelöscht“, so Oehme. Deutlich schwieriger
werde es jedoch, wenn es um ausländische Plattformen gehe oder der Betreiber
der Seite überhaupt nicht zu ermitteln sei. Im Ausland herrschen nämlich
oftmals andere Voraussetzungen zum Betreiben einer Internetseite, was ein
Eingreifen meist erschwere.
Für den Leser
ergibt sich damit aber auch die Situation, dass er sehr genau abwägen sollte,
welchen Wahrheitsgehalt eine Internetseite hat, deren Betreiber man nicht
greifen kann, beispielsweise weil sie sich hinter einer ausländischen Adresse
sprichwörtlich verstecken.
Sehr informativ, was Michael Oehme da schreibt, weiss jemand, wo ich das Urteil dazu finde?
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