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Mittwoch, 25. Mai 2016

Michael Oehme: Anwenderberichte: „Problemlösungen von Dritten“

Ähnlich gefragt wie Fachbeiträge sind Anwenderberichte. Sie sind weniger neutral, haben aber immer den Erfahrungsbericht in der Implementierung und Nutzung einer neuen „Sache“ - einer Software, einem Produktionsablauf, einem Produkt, einer Dienstleistung – im Fokus. Für den Anwenderbericht gelten auch die W-Fragen: Wer? Was? Wie? Wann? Hier unterscheidet sich der Anwenderbericht nicht von einem Fachartikel. Aber ansonsten gibt es im Aufbau und Inhalt deutliche Abweichungen. Viele, die gute Fachbeiträge schreiben, scheitern an Anwenderberichten. Diese sind in der Regel weniger akademisch (also pragmatischer). Das stört viele beim Gedankengang, da man weniger überlegt als vielmehr beschreibt.


Kundensicht entscheidet 
Und da es sich um einen Anwenderbericht handelt, steht die Kundensicht und nicht die Sicht des Unternehmens/Anbieters im Vordergrund. Sonst wäre es nämlich eine Produktpräsentation. Der Autor muss halt in diese Rolle schlüpfen und sich die Situation nicht von Außen ansehen. Warum? Weil ein Anwenderbericht im wörtlichen Sinne die Erfahrungen bei der Anwendung beschreibt und nichts beschönt oder anderweitig ableitet. Er sollte dabei möglichst konkret sein und auch Problemstellungen offen ansprechen.



Klarer Aufbau 
Ein Anwenderbericht gliedert sich in vier Bereiche, die aufeinander aufbauen: zunächst einmal findet die Problemstellung statt. Diese sollte sich möglichst daran orientieren, wie sie andere Unternehmen beispielsweise auch haben. Ein häufiges Beispiel für ein „Problem“ ist der Einsatz einer bestehenden Software. Diese bereitet – aus welchen Gründen auch immer – Schwierigkeiten, ist zu teuer, nicht mehr zeitgemäß, lässt keine ausreichenden Applikationen zu. Die Phase zwei ist daher die „Ausgangsüberlegung“: eine neue Software muss her, welche Überlegungen führten zu welcher Entscheidung für einen bestimmten Anbieter. Es folgt Phase drei der Darstellung: die „Implementierung“ einer neuen Software. Wie ist diese vonstatten gegangen, welche Probleme gestalteten sich, welche Features bietet der Anbieter. Wir sind nun gerüstet für Phase vier der Darstellungen: das Resümee! Bei diesem handelt es sich um das Herzstück der Darstellung, denn hier soll alles angesprochen werden, was förderlich und hinderlich war im Prozess, was man hätte anders oder besser machen können und im Zweifel, ob die gepriesene Software (daher hat man sich ja dafür entschieden) das hält, was sie versprochen hat. Es scheint ohne Probleme nachvollziehbar, dass ein Anwenderbericht durchaus zu den Herausforderungen zählt, auch wenn wir im Blogbeitrag zuvor Fachartikel als Königsdisziplin umschrieben hatten. Der Anwenderbericht verlangt ebenfalls Fachwissen wie Fingerspitzen- und Sprachgefühl.

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