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Montag, 30. November 2015

Michael Oehme: „Es weihnachtet NICHT“

Deutlich hätte man den Beitrag kaum titeln können. Kunststück, kam er doch von denen, von denen man annehmen muss, sie können mit Worten umgehen: dem Magazin Pressesprecher (http://www.pressesprecher.com/nachrichten/es-weihnachtet-nicht-1627242520). Hinter diesem Beitrag verbirgt sich die Tatsache, dass sich die amerikanische Kaffeehauskette Starbucks doch wirklich entschlossen hat, in diesem Jahr einen Weihnachtspappbecher in schlichtem Rot anzubieten. Und prompt hat man sich den Hass eines Internetnutzers eingefangen, der Starbucks als „Jesus Hasser“ hinstellt. Die USA sind nun mal das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, aber offenbar eben auch der unbegrenzten Unmöglichkeiten. 

Shitstorm als PR-Gag?
Felicitas Ernst, die als Chefredakteurin des „Pressesprecher“ fungiert, greift zurecht dieses erst auf den zweiten Blick interessante Thema auf. Es geht um Kaffee und die Frage, wie man noch mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen kann. Und das, obwohl es dem Starbucks-Konzern und seinem Gründer Howard Schultz, einem einstigen Vertreter aus einfachem Hause, offensichtlich richtig gut geht. Denn derzeit betreibt Starbucks 21.000 Läden in 65 Ländern und hat einen Jahresumsatz von 16 Milliarden Dollar. Das private Vermögen des Firmengründers Schultz wird auf drei Milliarden Dollar geschätzt.

„Jesus Hasser“
Wäre, ja wäre da nicht der PR-Abteilung – bei Starbucks ein wichtiger Teil der Unternehmensstrategie – der Fehler unterlaufen, der stark christlich orientierten Kundschaft auch in diesem Jahr einen Becher anzubieten, der von Weihnachts-Klischees nur so protzt. „Starbucks hat Weihnachten von seinen Bechern entfernt, weil sie Jesus hassen“,  so ein Internetnutzer in einem Video, das mittlerweile fast 17 Millionen Mal (!) geklickt wurde. Panik in der PR-Abteilung? (Zitate aus „Pressesprecher“). Felicitas Ernst sieht es anders: „Warum sollte man sich ärgern, wenn plötzlich zur besten Sendezeit über einen berichtet wird? Wenn das von Starbucks inszeniert war, kann man nur den Hut ziehen.“


Einmal ganz anders denken
Zugestanden, wir wissen nicht, ob die Vorgehensweise und gegebenenfalls Umsetzung mit dem tatsächlichen oder vermeintlichen Stalker Teil der Strategie war oder eben nicht. Dem Marketingchef könnten Pappbecher mit Tannenbäumen, Rentieren und Schneeflöckchen schlicht auch nur auf den Geist gegangen sein. Die Geschichte sollte uns dennoch zum Nachdenken anregen und zeigt, wie unterschiedlich Marketing- und PR-Strategien schließlich seien können. Den Grünen wird schließlich nachgesagt, ihre PR-Strategie hätte ausschließlich darin bestanden, immer nur irgendwie in der Presse zu sein. Ob positiv oder negativ sei dabei fast schon egal gewesen. Joschka Fischer, der erste Minister in Turnschuhen ist nun mal ein Bild, das über die Welt ging. Auch wenn er heute in Designeranzügen steckt.

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